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Ökologische Schulrenovierung von unten?

Schulrenovierung
vielfache Selbstorganisation unter den Schülern

Walddörfer Gymnasium
Das Walddörfer Gymnasium in Hamburg

Als man anfing, Kinder gezielt zu unterrichten, war man froh, überhaupt Räume zu finden. Inzwischen verlangen wir unserer Jugend ganz etwas anderes ab. Sie soll bestehen im globalisierten Wissenswettbewerb und dafür wollen wir Leistung sehen. Viel wird da getan und noch mehr geplant und geredet, aber was ist mit Schulbauten, in denen man sich wohlfühlt?

Skandale kommen immer wieder ans Licht, von Asbest- und PCB- über Formaldehydbelastungen bis zu einstürzenden Neubauten. Die Skandale sind beträchtlich, umfassende Konsequenzen versanden hingegen zu oft auf dem Dienstweg. Dabei hat Deutschland die weltweit stärkste Position in der sogenannten Ökotechnologie. Die Frage ist nur, ob wir dringender satellitengestützte Orientierungssysteme brauchen oder Schulen, in denen man Atmen kann ohne Kopfschmerzen zu bekommen.

Es gibt vereinzelte Schulen, in denen sich etwas tut. Meist ist es das Kollegium, in dem sich jemand stark macht für bessere, gesündere Lernorte. Wenn die Schulleitung mitmacht, die Eltern Feuer fangen und die Kommune als Schulträger überzeugt wird, können solche Projekte gedeihen. Eine zunehmende Identifikation der Schüler mit ihrer neuen Klasse gibt es meist als Zugabe. Wo es anfängt ist eigentlich egal, nur die Bremser müssen endlich weg. Eine ökologisch sinnvolle Renovierung muss keineswegs teurer sein als konventionelle Chemiebeschichtungen und genug pfiffige Maler für Naturfarben gibt es mittlerweile.

So setzt zum Beispiel Elmshorn, eine mittelgroße Stadt im Norden Hamburgs, seit einigen Jahren auch Naturfarben mit Erfolg in mehreren Schulen ein. Schadensbeseitigungen, Grundierungen, Wandanstriche mit Kaseinfarben und Ölfarbenanstriche haben sich bewährt. Am renommierten Walddörfer-Gymnasium in Hamburg läuft eine Initiative, bei der Schüler in weitgehender Selbstorganisation zunächst drei Klassenräume renovieren. Diese Schule hat nicht nur eine Verpflichtung als denkmalgeschützter Kurt Schumacher-Bau, sondern sie blickt auch auf eine lange Geschichte als Vordenker im Schulwesen zurück. Seit mehr als 75 Jahren gingen immer wieder Impulse zur Schulentwicklung von diesem Ort aus. Es wäre schön, wenn auch in diesem Fall die Behörden etwas „von unten lernen können“. Neben den Räumen wird nämlich für das ganze Gebäude bald eine Erhaltungs-Renovierung fällig, warum nicht einmal mit Naturfarben?

Kürzlich im Juli 2008 hat jetzt auch das Heinrich Heine Gymnasium in Hamburg Poppenbüttel nachgezogen. Die umweltgerechte Schule renovierte mit jungen Schülern den ersten Klassenraum mit Kaseinfarbe und Erdpigmenten.

Martin Krampfer
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